Wo bist Du, Gott?

Ein Gastbeitrag von Denise Steinert, Yogalehrerin, Heilerin und Künstlerin. Sie leitet den wunderschönen Freiraum am Seddinsee bei Berlin und  bietet regelmäßig Retreats und Yogareisen an. In diesem sehr persönlichen Text schreibt sie über ihre Suche nach Gott. 

Alle reden immer von Gott und der Verbindung zum Göttlichen. Ich fragte mich immer, wie sich das anfühlt: Gibt es überhaupt ein Gefühl dazu, wenn man mit Gott verbunden ist?

Eine bestimmte Körperwahrnehmung? Fühlt es sich an wie Verliebtsein, mit einem flauen Gefühl in der Bauchgegend oder fühlt man dann einfach gar nichts mehr, weil das Göttliche nicht mehr körperlich ist? Fühlt es sich ein bisschen an wie Sterben, wie wenn die Seele den Körper verlässt? Ist meine Wahrnehmung dann außerhalb meines mich begrenzenden Körpers?

Und wenn ich mit dem Göttlichen verbunden bin, wo ist meine Wahrnehmung dann? Irgendwo im Universum? Grenzenlos? Und wie finde ich das heraus? Wie viel muss ich meditieren oder chanten, um diese Erfahrung zu machen? In welchen Tempel oder in welche Kirche muss ich dafür gehen? Welche gute Tat vollbringen? Wie viel Ego loslassen? Wie viel Geld spenden? Wie viele Gurus aufsuchen? Wie viel Ayahuasca trinken? Nach Indien oder Kolumbien reisen?

Spreche ich gerade mit Gott?

Ich rief meine Freundin Francesca an. Sie hat immer eine schlaue Weisheit für mich, wenn ich Fragen habe. Ich stellte meine Frage. Sie reichte den Hörer weiter und ein Mann sprach nun mit mir. Zuerst dachte ich, dass sei ihr Mann, aber es war eine andere Stimme. Viel mächtiger und älter. Ist das Gott? Spreche ich gerade mit Gott? Nein! Gott ist doch kein Mann, mit dem ich telefonieren kann. Wenn überhaupt, ist Gott eine Frau, auf jeden Fall weiblich, wie die Natur, die sich immer wieder selbst schöpft. Der Mann am Telefon sagte: Gott ist überall. In jedem Grashalm, in jedem Regentropfen, in jedem Blatt am Baum, in jeder Begegnung zwischen den Menschen, in jedem Moment, den wir alleine sind und uns unseres Selbst bewusst sind.

Gott ist überall

Ich ging aus dem Haus. Ließ die wenigen Häuser, die da sind, hinter mir und betrat den Wald und dann fühlte ich Gott. Ich wollte alle Bäume umarmen, alle Blätter küssen, alle Wurzeln streicheln, ich fühlte die allte, weise Kraft der Bäume, den Halt, den sie uns geben. Ich fühlte eine tiefe dankbare Liebe und einen ganzen feinen leisen Schmerz im Herzen, der mit diesem Gefühl des Überwältigtseins und des Getragenseins einhergeht. Ich ging zum See und legte meine Kleider ab. Langsam ließ ich meinen Körper in das erfrischende Nass eintauchen und spürte, wie Gott mich empfängt, mich in sich aufnimmt.

Gott macht keinen Unterschied

Ich wollte noch dichter an Gott herankommen und schwamm mal mehr hierhin, wo das Wasser intensiver grünlich leuchtete, mal dahin, wo die Sonne auf der Wasseroberfläche tanzte. Doch Gott macht keinen Unterschied, es gibt kein Mehr und kein Weniger. Es gibt kein Besser und kein Schlechter. Es gibt nur, das was jetzt ist, genau diesen Moment, genau diese Erfahrung, genau dieses Gefühl. Und dann spürte ich all dieses Vertrauen und die Größe, die Liebe, das Göttliche in mir drin. An keinem bestimmten Körperteil. Mit keiner bestimmten Körperwahrnehmung.

Es war einfach alles da. Alles so. Alles gut.

Und ich erkannte:

Gott ist nicht irgendwo da draußen. Gott hat seinen Tempel in unserer Seele. Gott ist reine Energie, pures Licht.

Infos über den Freiraum und kommende Retreats

Mehr über Daisy und den wunderschönen Freiraum erfährst Du hier: http://www.freiraum-seddinsee.de

Die nächste Yogareise geht Ende Juni nach Island: http://www.freiraum-seddinsee.de/retreats/islandreise/

1 Kommentare

  1. wunderschön geschrieben, herzlichen Dank:-))
    und als Mann und als Cherag(Priester im Universellen Sufiorden, indem es zum Glück auch Cheragas, also Priesterinnen gibt) kann ich deine Erfahrung zum Glück aus vollem Herzen genauso teilen:-))
    Ich durfte das Göttliche in mir inder Natur, in tantrischen Zusammenhängen, bei einer tantrischen Massage, bzw. Vereinigung, bei der Kontemplation und dem Handaflegen, in Sufiübungen, wie Zirk, in universellen Gottesdiensten immer wieder in mirund immer wieder anders und neu und lebendig erleben. Sogar MDMA und Ayauuasca und Pilze führten mich in den gleichen Raum, sogar einmal LSD, dies alles in einem geschützten und in einem therapeutischen Rahmen.

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