Liebes PMS – Warum es gut ist, dafür statt dagegen zu sein

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80 Prozent aller Frauen leiden am Prämenstruellen Syndrom (PMS). Ich bin eine von ihnen. Monat für Monat war ich im Widerstand. Bis ich entschied, Frieden mit den Tagen vor der Monatsblutung zu schließen. Ein Brief an mein PMS. 

 Liebes PMS,

ich möchte mich bei dir entschuldigen. Warum? Weil ich dich nun schon so viele Jahre kenne. Und so viele Jahre nicht Ernst genommen und verschmäht habe.

Monat für Monat besuchst Du mich für ein paar Tage. Eigentlich ist es immer wieder die gleiche Routine in der zweiten Zyklushälfte. Und dennoch erkenne ich dich oft nicht. Du tauchst auf, klopfst an und ich will die Tür nicht öffnen. Du verschaffst Dir natürlich trotzdem Eintritt und dann versuche ich so gut wie möglich, dich zu  ignorieren.

Du fragst Dich warum? Weil ich nie so richtig wusste, was ich mit dir anfangen soll. Tagelang schlecht gelaunt und schlapp sein – nein danke! Fast 80 Prozent von uns Frauen leiden mittlerweile unter deiner Anwesenheit. Dabei zeigst Du Dich bei jeder von einer ganz unterschiedlichen Seite: Du hast eine Bandbreite von über 100 verschiedenen Symptomen.

Bei mir zeigst du dich so:

Eine Woche vor der Menstruation kündigst du dich an. Es fängt damit an, dass ich auf einmal den ganzen Tag essen könnte. Heißhunger ohne Ende. Vor allem mag ich dann Schokolade. Und Fleisch. Und Kohlenhydrate.Und Wein. Ja, Süßigkeiten und Fett sind irgendwie gut. Und dann nehme ich bald wahr, dass mein unterer Bauch sich mehr hervor wölbt. Das könnten Wassereinlagerungen sein. Oder auch einfach die drei Tafeln Schokolade, die ich vertilgt habe. Ich spüre, wie ich mich insgesamt runder fühle. Wobei das wirklich untertrieben ist. Eigentlich fühle ich mich kugelrund, walig, irgendwie unangenehm, fett. Die Hosen gehen nicht mehr so gut zu, die BHs sowieso nicht und gleichzeitig verändert sich meine Stimmung. Das hat nicht unbedingt etwas mit den zu engen Hosen zu tun. Ich meine, vielleicht auch, aber ich merke generell, dass ich mich schneller aufrege. Ja, ich bin auf jeden Fall reizbarer. Und verletzlicher. Kleine Witzeleien über die ich sonst lache, machen mich wütend. Ich schaue mir Castingshows an und weine, wenn jemand weiter kommt. Und auch, wenn jemand nicht weiter kommt.

Und dann irgendwann, kurz vor der Monatsblutung, habe ich dann auch gar keine Lust mehr auf Menschen. Nee, also wirklich, am besten sehe ich jetzt mal niemanden. Was natürlich mit Familie nicht geht. Aber immerhin kann man die sonstigen Termine auf das Nötigste reduzieren. Aber Moment, es wäre schon toll, wenn da jemand wäre, der mich mal wieder so richtig in den Arm nehmen könnte.

Jawohl. Wenn Du mich besuchst, liebes PMS, werde ich ganz kuschelig. Und wenn da niemand ist, mit dem ich kuscheln kann, dann fühle ich mich richtig bedürftig. Und manchmal auch richtig einsam. Bis hin zu dem Tag, an dem du so richtig wütest und alles blöd ist. Das ganze Leben irgendwie. Dann hängt eine dicke graue Wolke über meinem Kopf und ich fühle mich richtig depri. Am düstersten Tag habe ich manchmal gar keine Lust mehr auf das Leben. Und jedes Mal frage ich mich aufs Neue: „Was ist denn jetzt schon wieder los?“.

Du fühlst dich oft wirklich unangenehm an. Und sorgst dafür, dass ich nicht mehr gesellschaftskompatibel bin. Eben noch lief alles rund und dann möchte ich einfach nur noch im Bett liegen, mich zusammenrollen und niemanden mehr sehen. Das erklär‘ mal deinem Chef. Oder deinem Freund,. Wie oft habe ich schon gehört: „Ach, komm, stell dich doch nicht so an.“ So oft, bis ich dann selber geglaubt habe, dass ich mich wegen der paar Zimperlein, die mit deinem Besuch einhergehen, ja nicht so anstellen muss. Zwar schaffte ich es irgendwann immerhin zu sagen: “ Ich habe PMS“, aber eher mit einem verschämten Unterton, der suggeriert „Ja nee, ist eigentlich gar nicht wirklich so schlimm.“

Ich habe dich einfach nicht Ernst genommen. Ich habe dich ignoriert. Und meinen Körper mit dir. Ich habe dich verleugnet. Immer und immer wieder. Ich habe mich so oft angetrieben, auch wenn mir nach Nichtstun zu Mute war. Ich habe Ibus geschluckt, um zu funktionieren, statt mich mit einer Wärmflasche unter die Decke zu kuscheln. Ich habe gesagt „Ach, ist schon alles okay“, statt um Unterstützung und Zuwendung zu bitten. Ich bin unter Leute gegangen, wenn mir eigentlich nach Alleinsein war. Ich habe ein fröhliches Gesicht aufgesetzt, obwohl in mir alles weinte.

Wenn man dich googelt, dann findet „10 Tipps gegen PMS“ und „So wirst du die Beschwerden los“ und „Überlebenstipps für die Tage vor den Tagen“. Ich habe irgendwann erkannt, dass ich mir zuallererst einmal erlauben darf, in dieser Phase des Zyklus langsamer zu sein, mich zurückzuziehen, nach innen zu schauen.  Der Weisheit meines Körpers zu folgen und eine Pause einzulegen. Monat für Monat eine neue Bestandsaufnahme.

Und als ich mir dies erlaubte und gleichzeitig meinen Zyklus genauer dokumentierte, wusste ich genau, wann du kommst. Und auf einmal bin ich nicht mehr so von dir überwältigt. Ich weiß, dass du kommst und auch wieder gehst. Ich lege meine Termine so, dass sie mit deinem Besuch nicht kollidieren. Es gibt viel Raum für Nichtstun und alles, was gut tut: Ein heißes Bad, leckere Tees, sanfte Yin Yoga Übungen und Meditation.

Und seid dem so ist, erlebe ich auch Dich viel sanfter. Weniger einnehmend. Ruhiger.

Liebes PMS,

wir finden einen Weg!

 

 

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